Unit Economics im E-Commerce: was ein Kunde kostet und was er bringt

Unit Economics beschreiben, wie viel Gewinn eine einzelne Einheit bringt, im Onlineshop also eine Bestellung und ein Kunde. Die Kernrechnung: Deckungsbeitrag je Bestellung, Kosten je Neukunde (CAC) und Deckungsbeitrag über alle Bestellungen des Kunden (Customer Lifetime Value). Ein Kunde mit 80 € Warenkorb, 40 % Deckungsbeitrag, 2,5 Bestellungen im Jahr über 3 Jahre bringt 240 €, bei 60 € CAC ist das ein LTV:CAC von 4,0 mit 9 Monaten Payback. Die erste Bestellung allein verliert dabei 28 €.

Die Kennzahlen der Unit Economics im Überblick

Unit Economics im E-Commerce bestehen aus acht Kennzahlen, die eine Frage beantworten: Verdienst du an einem Kunden mehr, als er dich kostet? Die Werte in der Tabelle gehören zu einem Beispielshop, dessen Zahlen auch in den verlinkten Rechnern als Startwerte stehen.

KennzahlFormelBeispielFaustregel
Deckungsbeitrag je BestellungNetto-Warenkorb − Ware, Versand, Payment, Retouren32 €Grundlage aller anderen Werte
CAC (Kosten je Neukunde)Marketingkosten ÷ Neukunden60 €kleiner als der Customer Lifetime Value
Erstbestellung nach CACDeckungsbeitrag je Bestellung − CAC−28 €negativ ist erlaubt, wenn Wiederkäufe folgen
Customer Lifetime ValueWarenkorb × Bestellungen pro Jahr × Kundenjahre × DB-Quote240 €auf Deckungsbeitrag, nicht auf Umsatz
LTV:CACCustomer Lifetime Value ÷ CAC4,0ab 3,0 gilt die Neukundengewinnung als gesund
PaybackCAC ÷ Deckungsbeitrag je Kunde und Monat9 Monatekürzer als die Zeit, die dein Cashflow trägt
POASDeckungsbeitrag aus Werbung ÷ Werbekosten0,53 auf die Erstbestellungüber 1,0 verdient die Kampagne sofort
MERGesamtumsatz ÷ gesamte Marketingkosten5,0über dem Break-even-MER von 1 ÷ DB-Quote

Jede Kennzahl hat einen eigenen Rechner oder Ratgeber, der mit deinen Zahlen arbeitet:

Beispielrechnung: ein Kunde vom ersten Klick bis zum Payback

Ein Neukunde kostet im Beispiel 60 € und bringt mit der ersten Bestellung 32 € Deckungsbeitrag, der Shop geht also mit 28 € in Vorleistung. Erst die Wiederkäufe machen den Kunden profitabel.

SchrittRechnungErgebnis
Deckungsbeitrag je Bestellung80 € × 40 %32 €
Erstbestellung nach CAC32 € − 60 €−28 €
Deckungsbeitrag je Kunde und Jahr32 € × 2,5 Bestellungen80 €
Deckungsbeitrag je Kunde und Monat80 € ÷ 126,67 €
Payback60 € ÷ 6,67 €9 Monate
Customer Lifetime Value80 € × 3 Jahre240 €
LTV:CAC240 € ÷ 60 €4,0
Gewinn je Kunde nach CAC240 € − 60 €180 €

Der Shop darf für einen Neukunden höchstens 240 € ÷ 3 = 80 € ausgeben, wenn er die Faustregel LTV:CAC 3 einhalten will. Ob die 2,5 Bestellungen im Jahr halten, prüfst du mit Kohorten im Bestellexport. Kommen die Kunden seltener wieder, kippt die ganze Rechnung, auch wenn der Werbekanal unverändert läuft.

Wichtig: Alle Werte rechnen mit Deckungsbeitrag. Ein Customer Lifetime Value auf Umsatz wäre hier 600 € und ein LTV:CAC von 10, die Rechnung sähe zweieinhalbmal so gut aus, wie sie ist.

Vom einzelnen Kunden zum Monatsergebnis

Ein Monat im Beispielshop bringt 9.000 € Gewinn, obwohl jede Erstbestellung Geld verliert, weil die Bestandskunden den größten Teil des Umsatzes liefern. 400 Neukunden kosten 24.000 €, dazu kommen 1.100 Bestellungen von Bestandskunden.

Aus 120.000 € Netto-Umsatz werden 9.000 € Gewinn120.000 €
Netto-Umsatz
−72.000 €
Variable Kosten
−24.000 €
Marketing
−15.000 €
Fixkosten
9.000 €
Gewinn
Beispielshop, ein Monat: 1.500 Bestellungen à 80 € netto, davon 400 von Neukunden, 40 % Deckungsbeitrag vor Marketing, 60 € CAC, 15.000 € Fixkosten.
KennzahlRechnungWert
MER120.000 € ÷ 24.000 €5,0
Break-even-MER1 ÷ 40 %2,5
Marketing-Anteil am Umsatz24.000 € ÷ 120.000 €20 %
Deckungsbeitrag nach Marketing48.000 € − 24.000 €24.000 €
Gewinnmarge9.000 € ÷ 120.000 €7,5 %

Der MER (Marketing Efficiency Ratio) misst das Marketing als Ganzes: Gesamtumsatz durch alle Marketingkosten. Er hängt nicht an der Zuordnung einzelner Werbekonten und eignet sich deshalb als Kontrollwert über ROAS und POAS. Wie die Kosten vom Umsatz bis zum Gewinn in Stufen abgehen, zeigt der Ratgeber zum Deckungsbeitrag 1, 2 und 3.

POAS, ROAS und MER: drei Blickwinkel auf dieselbe Werbung

POAS misst den Deckungsbeitrag je Werbe-Euro, ROAS den Umsatz je Werbe-Euro und MER den Gesamtumsatz je Marketing-Euro. Für die Unit Economics zählt POAS, weil nur der Deckungsbeitrag Kosten bezahlt.

KennzahlBasisBeispielSchwelle
ROASUmsatz aus Werbung ÷ Werbekosten80 € ÷ 60 € = 1,33 auf die Erstbestellung2,5 (1 ÷ 40 %)
POASDeckungsbeitrag aus Werbung ÷ Werbekosten32 € ÷ 60 € = 0,531,0
MERGesamtumsatz ÷ alle Marketingkosten5,02,5

Auf die Erstbestellung liegen ROAS und POAS unter ihrer Schwelle, der MER weit darüber. Beides stimmt: Neukunden-Kampagnen verlieren beim ersten Kauf Geld und holen es über Wiederkäufe zurück. Wer nur auf den ROAS der ersten Bestellung steuert, kürzt genau die Kampagnen, die das Kundenbuch füllen.

Was Werbung im Durchschnitt kostet, zeigt die Harucon-Auswertung von 38 Google-Ads-Konten (betreut oder im Audit, Mai bis Mitte August 2026). Die Kosten je Conversion sind dort kein CAC, weil Google Ads Bestandskunden und Brand-Suchen mitzählt.

Kosten je Google-Ads-Conversion, Median mit mittlerer HälfteKosten je Conversionn = 3827,55 €Balken = Median, Linie = mittlere Hälfte der Konten (P25 bis P75)
Harucon-Auswertung von 38 Google-Ads-Konten (betreut oder im Audit), Mai bis Mitte August 2026, Konten mit mindestens 1.000 € Spend und Conversions. Überwiegend EUR-Konten, übrige Währungen grob umgerechnet.
Kennzahl (n = 38 Konten)P25MedianP75
Kosten je Conversion14,70 €27,55 €56,99 €
ROAS laut Google Ads1,682,875,41
Conversion-Rate (Conversions je Klick)1,77 %3,13 %5,31 %

In derselben Auswertung hingen weder die Zahl der Kampagnen (r = 0,07) noch der Anteil von Performance Max am Budget (r = 0,08) noch die Höhe des Monatsbudgets (r = 0,15) nennenswert mit dem ROAS zusammen. Größere Budgets und mehr Kampagnen machen die Werbung also nicht von allein profitabler. Was sie trägt, entscheiden Deckungsbeitrag und Wiederkauf.

Profit First: den Gewinn zuerst einplanen

Profit First dreht die Rechnung um: Du ziehst den Gewinn vom Umsatz ab, bevor du Ausgaben planst, und nicht umgekehrt. Die Methode stammt aus dem Buch „Profit First“ von Mike Michalowicz und arbeitet mit getrennten Konten für Gewinn, Gehalt, Steuern und Betriebsausgaben.

Umsatz − Gewinn = Ausgabenstatt der üblichen Rechnung Umsatz − Ausgaben = Gewinn

Im Beispielshop: Willst du 10 % vom Netto-Umsatz als Gewinn, sind das 12.000 €. Für alle Kosten bleiben dann 108.000 €. Heute gibt der Shop 72.000 € variable Kosten, 24.000 € Marketing und 15.000 € Fixkosten aus, zusammen 111.000 €. Es fehlen 3.000 €.

  • Über den CAC: 3.000 € weniger Marketing bei gleich vielen Neukunden heißt 52,50 € statt 60 € CAC.
  • Über den Deckungsbeitrag: 2 Prozentpunkte mehr DB-Quote bringen bei 120.000 € Umsatz 2.400 €.
  • Über den Wiederkauf: 38 Bestandsbestellungen mehr im Monat bringen bei 32 € Deckungsbeitrag rund 1.200 €.

Für Unit Economics heißt das: Leg den Gewinn je Kunde fest und rechne zurück, welcher CAC und welche Wiederkaufrate dazu passen. Wo diese Kennzahlen in der Kette vom Klick bis zum Gewinn stehen, zeigt die Übersicht der E-Commerce-Kennzahlen.

Fünf Fehler, die Unit Economics schönrechnen

Unit Economics sehen meist zu gut aus, weil Umsatz statt Deckungsbeitrag oder Conversions statt Neukunden in die Rechnung gehen. Prüf deine Zahlen auf diese Punkte:

  1. Customer Lifetime Value auf Umsatz. Im Beispiel 600 € statt 240 €, das LTV:CAC springt von 4,0 auf 10.
  2. CPA als CAC. Kosten je Conversion aus dem Werbekonto zählen Bestandskunden mit. Der CAC teilt nur durch echte Neukunden aus dem Shop-Backend.
  3. Nur Werbekosten im CAC. Rabatte für Neukunden, Influencer und Agenturkosten gehören dazu.
  4. Wiederkauf aus alten Kohorten. Kunden aus neuen Kanälen kaufen oft seltener nach. Prüf die letzten Kohorten getrennt.
  5. Payback ohne Cashflow. 9 Monate Payback heißen 9 Monate Vorfinanzierung je Neukunde. Wächst der Shop schnell, wächst auch dieser Betrag.

Harucon steuert Werbung auf Deckungsbeitrag und rechnet CAC und Wiederkauf aus dem Shop-Backend. Wie wir dabei vorgehen, steht bei der E-Commerce-Beratung.

Häufige Fragen zu Unit Economics

Was sind Unit Economics einfach erklärt?

Unit Economics zeigen, wie viel Gewinn eine einzelne Einheit bringt. Im Onlineshop ist das eine Bestellung oder ein Kunde. Du vergleichst, was ein Kunde über alle Bestellungen an Deckungsbeitrag bringt, mit dem, was seine Gewinnung kostet.

Welche Kennzahlen gehören zu den Unit Economics?

Deckungsbeitrag je Bestellung, CAC, Customer Lifetime Value, LTV:CAC, Payback, POAS und MER. Zusammen zeigen sie, ob Wachstum Geld verdient oder verbrennt.

Was ist ein gutes LTV:CAC-Verhältnis?

Als Faustregel gilt ein Wert ab 3. Dann bringt ein Kunde dreimal so viel Deckungsbeitrag, wie seine Gewinnung kostet. Unter 1 verlierst du mit jedem Neukunden Geld.

Was ist der Unterschied zwischen POAS und ROAS?

ROAS teilt den Umsatz durch die Werbekosten, POAS den Deckungsbeitrag. Ein POAS über 1 heißt, die Werbung verdient sofort Geld. Beim ROAS hängt die Schwelle von deiner Deckungsbeitragsquote ab.

Wie berechne ich den Payback?

Teile den CAC durch den Deckungsbeitrag, den ein Kunde im Monat bringt. Bei 60 € CAC und 6,67 € Deckungsbeitrag im Monat sind das 9 Monate.

Was ist Profit First?

Profit First ist eine Methode von Mike Michalowicz. Du planst den Gewinn zuerst ein und richtest die Ausgaben nach dem Rest aus. Die Rechnung lautet Umsatz minus Gewinn gleich Ausgaben.

Rechnen sich deine Neukunden?

Im Erstgespräch rechnet Tobias mit dir CAC, Customer Lifetime Value und Payback aus deinem Shop-Backend durch und zeigt dir, welcher CAC zu deinem Wiederkauf passt. 5 kurze Fragen, dann direkt zum Termin.

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