Lieferanten finden: vom ersten Hersteller zur ersten Charge

Lieferanten und Hersteller für deine Marke findest du über B2B-Verzeichnisse, Fachmessen, Beschaffungsplattformen und Branchenkontakte. Danach entscheiden fünf Schritte: eine genaue Anfrage, geprüfte Muster, eine Mindestmenge, die dein Kapital nicht überfordert, faire Zahlungsbedingungen und eine Qualitätsprüfung vor dem Versand. Rechne vor der Bestellung, wie viele Verkäufe du brauchst, bis die erste Charge bezahlt ist.

Wo du Lieferanten und Hersteller findest

Hersteller findest du dort, wo sie selbst nach Kunden suchen: in Verzeichnissen, auf Messen und auf Beschaffungsplattformen. Welche Quelle passt, hängt davon ab, ob du in Europa oder in Asien produzieren willst und wie erklärungsbedürftig dein Produkt ist.

QuelleBeispieleGut fürWorauf du achtest
B2B-Verzeichnissewlw, Europages, KompassHersteller in DACH und der EUViele Einträge sind Händler. Frag nach eigener Fertigung.
FachmessenMessen deiner BrancheMuster anfassen, persönliches GesprächReise- und Zeitaufwand, Kontakte nachfassen
BeschaffungsplattformenAlibaba, Global Sourcesgroße Auswahl, Private Label aus AsienPrüfstatus, Bewertungen und Exportnachweise ansehen
Verbände und KammernBranchenverbände, IHKFachbetriebe mit Zulassungenlangsamer, dafür oft spezialisiert
Netzwerkandere Gründer, Agenturen, Verpackungslieferantengeprüfte KontakteEmpfehlung ersetzt keine eigene Prüfung

Schreib jeden Kontakt in eine Liste mit Ansprechpartner, Mindestmenge, Preis, Lieferzeit und Status. Nach zehn bis zwanzig Anfragen kannst du Angebote vergleichen, vorher fehlt dir der Maßstab.

Private Label, White Label oder eigene Entwicklung

White Label heißt, du kaufst ein fertiges Produkt und setzt deine Marke darauf. Bei Private Label passt der Hersteller ein bestehendes Produkt nach deinen Vorgaben an, bei einer Eigenentwicklung entsteht das Produkt neu.

ModellWas du bekommstAbgrenzung zur KonkurrenzAufwand
White Labelfertiges Produkt mit deinem Etikettgering, andere verkaufen dasselbeWochen
Private Labelangepasste Rezeptur, Material oder FormmittelWochen bis Monate
Eigenentwicklungeigenes Produkt, oft mit Werkzeug oder RezepturhochMonate

White Label eignet sich zum schnellen Test eines Markts. Willst du über Werbung wachsen, hilft dir ein Merkmal, das andere nicht haben, weil es Klickrate und Conversion Rate trägt. Wie eine Marke daraus entsteht, beschreibt Marke aufbauen.

Was in eine gute Anfrage gehört

Eine gute Anfrage beschreibt dein Produkt so genau, dass zwei Hersteller vergleichbare Angebote schicken können. Vage Anfragen bekommen vage Preise oder gar keine Antwort.

  1. Produkt: Maße, Material oder Rezeptur, Farben, Varianten, Referenzfoto
  2. Menge: Startmenge und geplante Folgemengen pro Jahr
  3. Verpackung: Einzelverpackung, Etikett, Umkarton, Barcode
  4. Nachweise: Zertifikate und Prüfberichte, die für deinen Markt gelten
  5. Lieferung: Zielland, gewünschte Lieferbedingung (z. B. ab Werk oder frei Haus), Zieltermin
  6. Preisfrage: Stückpreis je Mengenstaffel, Musterpreis, Werkzeugkosten

Nenn deine Folgemengen ehrlich. Hersteller kalkulieren mit dem Potenzial eines Kunden, und eine realistische Prognose verschafft dir bei der Mindestmenge mehr Spielraum als ein hoher Zielwert, den du später nicht erreichst.

Muster, Mindestmenge und Zahlungsbedingungen

Muster, Mindestmenge (MOQ, Minimum Order Quantity) und Zahlungsbedingungen verhandelst du zusammen, weil sie sich gegenseitig beeinflussen. Ein Hersteller mit niedriger Mindestmenge verlangt oft einen höheren Stückpreis oder mehr Vorauszahlung.

  1. 01

    Muster bestellen

    Bestell Muster von zwei bis drei Herstellern und bezahle sie. Teste sie im Alltag, nicht nur auf dem Tisch, und lass sie von Testkunden benutzen.

  2. 02

    Muster freigeben

    Halte das freigegebene Muster als Referenz fest, mit Fotos und unterschriebener Spezifikation. Daran misst du später die Serie.

  3. 03

    Mindestmenge verhandeln

    Frag nach einer kleineren Erstcharge zu höherem Stückpreis oder nach einer Mindestmenge über mehrere Farben oder Varianten.

  4. 04

    Zahlungsbedingungen festlegen

    Verbreitet ist eine Anzahlung bei Auftrag und der Rest vor Versand, zum Beispiel 30 % und 70 %. Bezahle den Rest erst nach bestandener Prüfung.

  5. 05

    Liefertermin und Mängel festhalten

    Schreib Termin, Qualität und das Vorgehen bei Mängeln in die Bestellung, mit dem freigegebenen Muster als Maßstab.

Was dich die Mindestmenge kostet

Die Mindestmenge kostet dich den Stückpreis plus Fracht, Zoll und Prüfung, und sie bindet dieses Geld, bis die Ware verkauft ist. Das Beispiel rechnet 1.000 Stück zu 7,20 € ab Werk für ein Produkt, das du für 39,90 € brutto verkaufst.

PostenAnnahmeBetrag
Ware ab Werk1.000 Stück × 7,20 €7.200 €
Fracht und VersicherungAnnahme Seefracht bis Lager900 €
ZollAnnahme 5 % auf Ware und Fracht, der echte Satz hängt an deiner Warennummer405 €
Qualitätsprüfung vor VersandAnnahme externe Stichprobenprüfung300 €
Summe (Einfuhrumsatzsteuer nicht enthalten)8.805 €
Kosten je Stück im Lager8.805 € ÷ 1.0008,81 €
Deckungsbeitrag je Verkauf vor Werbung33,53 €
Nettopreis
8,81 €
Ware im Lager
5 €
Versand
1,02 €
Zahlung
1,5 €
Retouren
17,2 €
Deckungsbeitrag
39,90 € brutto = 33,53 € netto. Versand 5,00 €, Zahlung 1,8 % + 0,30 € = 1,02 €, Retouren 1,50 € je Bestellung (Annahmen).

Du brauchst 8.805 € ÷ 17,20 € = 512 Verkäufe, bis die erste Charge bezahlt ist, also mehr als die Hälfte der Ware, und das vor Werbekosten. Verkaufst du 100 Stück im Monat, liegt das Geld zehn Monate im Lager. Der Break-even-ROAS liegt bei 33,53 € ÷ 17,20 € = 1,95.

Zahlst du für eine Bestellung über Werbung den Median-CPA von 27,55 € aus dem Harucon-Konten-Snapshot (38 Google-Ads-Konten, Mai bis Mitte August 2026, betreut oder im Audit), verlierst du an der ersten Bestellung 10,35 €. Prüf deshalb vor der Bestellung, ob Preis und Stückkosten Platz für Werbung lassen. Dafür gibt es den Deckungsbeitrag-Rechner, den Rechner zum Marge berechnen und den Break-even-ROAS-Rechner.

Starte mit wenigen Produkten. In der Harucon-Auswertung von 41 Audits gab es 3 Audits mit bezifferten Werten, in denen 90 bis 98 % der Produkte nie einen profitablen Verkauf über Google Ads erzielten. Ein schmales Startsortiment bindet weniger Kapital und zeigt schneller, welches Produkt trägt.

Wie du Qualität prüfst und welche Pflichten du kennen musst

Qualität prüfst du dreimal: am Muster, an einer Vorserie und an der fertigen Ware vor dem Versand. Eine Prüfung vor Ort durch einen unabhängigen Dienstleister kostet wenig im Vergleich zu einer Charge, die du nicht verkaufen kannst.

  • Vorserie: einige Stück aus der Serienproduktion gegen das freigegebene Muster prüfen
  • Prüfung vor Versand: Stichprobe nach festgelegtem Prüfplan, mit Fotos und Bericht
  • Wareneingang: Menge, Etiketten, Barcodes und Verpackung bei Ankunft kontrollieren

Als Marke, die Ware in die EU bringt, hast du eigene Pflichten. Dazu gehören die Produktsicherheit nach der EU-Produktsicherheitsverordnung, je nach Produkt die CE-Kennzeichnung, die Registrierung deiner Verpackungen im Verpackungsregister LUCID und die Einfuhrabgaben nach dem Zolltarif. Was davon für dein Produkt gilt, klärst du mit IHK, Zoll oder einer Fachkanzlei.

Wie Hersteller, Shop und Kanäle zusammenhängen, zeigt der Überblick D2C-Brand aufbauen. Brauchst du Hilfe bei Preis, Marge und Startplan, findest du unter E-Commerce Beratung, wie wir arbeiten.

Häufige Fragen zum Lieferanten finden

Wie finde ich einen Hersteller für mein Produkt?

Über B2B-Verzeichnisse wie wlw oder Europages, Fachmessen, Beschaffungsplattformen wie Alibaba und Empfehlungen aus deinem Netzwerk. Schick mehreren Herstellern dieselbe genaue Anfrage, damit du die Angebote vergleichen kannst.

Was ist der Unterschied zwischen White Label und Private Label?

White Label ist ein fertiges Produkt, auf das du deine Marke setzt. Private Label ist ein Produkt, das der Hersteller nach deinen Vorgaben anpasst, etwa bei Rezeptur, Material oder Form.

Was bedeutet MOQ?

MOQ steht für Minimum Order Quantity, die Mindestbestellmenge je Auftrag. Sie entscheidet, wie viel Kapital du in die erste Charge steckst.

Wie viele Muster sollte ich bestellen?

Von zwei bis drei Herstellern, damit du Qualität und Kommunikation vergleichen kannst. Das freigegebene Muster ist später die Referenz für die Serienware.

Welche Zahlungsbedingungen sind üblich?

Verbreitet ist eine Anzahlung bei Auftrag und der Rest vor Versand, etwa 30 % und 70 %. Bezahle den Rest erst, wenn die Prüfung vor Versand bestanden ist.

Wie viel muss ich verkaufen, bis sich die erste Charge rechnet?

Teile die Gesamtkosten der Charge durch den Deckungsbeitrag je Verkauf. Im Beispiel sind es 8.805 € geteilt durch 17,20 €, also 512 Verkäufe vor Werbekosten.

Rechnen wir deine erste Charge durch?

Im Erstgespräch rechnet Tobias mit dir Stückkosten, Deckungsbeitrag und Break-even-ROAS für dein Produkt und zeigt dir, wie viel Platz für Werbung bleibt. 5 kurze Fragen, dann direkt zum Termin.

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